Das Kloster Marienheim

Das Kloster Marienheim wurde auf den Grundmauern der 1880 abgerissenen Wasserburg Arx Hergispach errichtet. Urkundlich wurde diese Wasserburg erstmals 1320 erwähnt. 1903 zogen die Dernbacher Schwestern in das Kloster ein. 1995 feierte das Kloster Marienheim sein 100-jähriges Bestehen, welches bis dato noch den katholischen Kindergarten St. Anna beherbergt.

Zukunft des Klostergeländes

 

Liebe Herschbacher,

dies ist vermutlich der schwierigste Text, den ich in den letzten vier Jahren als Ortsbürgermeister verfasst habe. Warum? Weil ich versuche, ein sicher nicht emotional unbesetztes Thema in einem Text zu erklären und hoffe, an jeder Stelle die richtigen Worte zu finden. In den letzten Wochen sind die Mitglieder des Gemeinderates und ich öfters gefragt worden, wann es denn Neuigkeiten zum Kloster geben wird. Das ist heute der Fall. Letztes Jahr haben sich in einer Informationsveranstaltung über das Kloster und der Überlegung, dort eine Einrichtung für betreutes Älterwerden zu schaffen, viele Herschbacher ernsthaft interessiert gezeigt. Das haben wir als eindeutigen Auftrag gewertet, in Ihrem Interesse eine entsprechende Möglichkeit zu schaffen. Seit der Veranstaltung in der Festhalle ist in diesem Sinne auch viel geschehen. So ermächtigte der Gemeinderat mit seinen Gremien mich als Ortsbürgermeister, eine Wirtschaftlichkeitsanalyse beim Gemeinde- und Städtebund in Auftrag zu geben und die verschiedenen Fragestellungen mit den weiterführenden Behörden zu erörtern. Um sich ein eigenes Bild vom Zustand und den evtl. Möglichkeiten zu machen, besichtigten die Rats- und Ausschussmitglieder Ende April 2017 das seit 2013 leerstehende ehemalige Kloster. Da ja Gelder der Ortsgemeinde in einem erheblichen Umfang zum möglichen Ankauf und Erhalt verwendet werden sollten, wurde im Juli beschlossen, bei der Dornbach GmbH Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Koblenz eine weitergehende Wirtschaftlichkeitsanalyse und eine Stellungnahme zu EU-Beihilfekonformität in Auftrag zu geben, um die bisherigen eigenen Berechnungen abzusichern. Im November 2017 bestätigte diese Studie weitestgehend, dass die Ortsgemeinde hinsichtlich der Erlangung von Geldmitteln für die in Eigenregie geplanten Umbauten gem. der EU-Richtlinien wohl keine unlösbaren Probleme bekommen würde. Als sehr großer Unsicherheitsfaktor erwies sich dann, dass unser Einfluss auf die Auswahl des Pflegedienstes so gut wie nicht vorhanden wäre. Aufgrund der entsprechenden rechtlichen Regelungen bei öffentlichen Ausschreibungsverfahren und der hier im Raum stehenden finanziellen Größenordnung müssten je nach Betrachtungsweise die Pflegeleistung mindestens deutschlandweit, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber jedoch sogar europaweit ausgeschrieben werden. Zusammengefasst bedeutete dies ein volles Haftungsrisiko der Ortsgemeinde in Höhe von 3,5 bis 4 Millionen Euro und gleichzeitig eine Ausschreibung für einen Pflegedienst, der seinen Sitz ggf. irgendwo im weiten Europa gehabt hätte. Und all dies für die gesamte geplante Finanzierungs- und Kreditlaufzeit von 30 Jahren. Parallel meldeten sich immer wieder mal Interessenten bei den Armen Dienstmägden in Dernbach. Alle Interessenten erhielten die Möglichkeit nach einer Besichtigung ein

Angebot abzugeben. Im letzten Herbst hat die Firma Römerhaus aus Schifferstadt unmittelbar bei der Ortsgemeinde Interesse bekundet, eine Seniorenresidenz in Herschbach zu errichten. Die Firma Römerhaus hat bereits eine Vielzahl solcher Einrichtungen geschaffen, verfügt offensichtlich über die notwendigen Mittel und Möglichkeiten sowie über ganz konkrete Erfahrungen in diesem Metier. Die Firma hat den Ratsmitgliedern auch Gelegenheit gegeben, sich unmittelbar vor Ort in deren bestehenden Einrichtungen selbst ein Bild zu

machen. Im Dezember hat sich eine Gruppe aus Mitgliedern des Rates dann intensiv eine Einrichtung in Saulheim angesehen und mit der dortigen Leitung sowie Beschäftigten und Bewohnern gesprochen und einen guten und vor allem sehr positiven Eindruck vom tollen Konzept gewonnen. Nachdem ich gedanklich wegen der doch größeren Probleme bei der bisherigen Entwicklung schon fast nicht mehr an die Umsetzung des Vorhabens glaubte, habe ich dann die durch die Firma Römerhaus entstandene völlig neue Situation als sehr günstige Entwicklung empfunden, um unser Vorhaben „Erhalt des Gebäudes und Errichtung einer Seniorenresidenz" doch noch nach vorne zu bringen. Fachleute der Firma haben Gelände und Gebäude eingehend begutachtet. Leider kamen die Spezialisten nach intensiver Prüfung und entsprechender Kostenermittlung zum Ergebnis, dass ein Umbau des vorhandenen Gebäudes aus mehrerlei Gründen nicht durchführbar ist. Römerhaus betrachtete aber Herschbach als Standort nach wie vor als sehr interessant und man kam überein, dass alternative Überlegungen geprüft werden sollten.

Im ersten Sitzungsblock in diesem Jahr haben wir uns dann über die weitere Vorgehensweise im Rat ausgetauscht. Insgesamt standen drei mögliche Szenarien im Raum. Erstens, die Gemeinde verfolgt das Ziel mit den Wohnpflegegemeinschaften in eigener Regie weiter und trägt das volle finanzielle Risiko über eine Laufzeit von 30 Jahren und hat keinen Einfluss auf den möglichen Betreiber. Zweitens, die Gemeinde tritt ohne zukünftig eine weitere Einflussmöglichkeit zu haben von allen Ambitionen bezüglich des Klosters zurück und überlässt das Gelände und das Gebäude seinem Schicksal. Oder Drittens, man kauft das Kloster an, um an seiner Stelle ohne Kostenaufwand und ohne Risiko für die Gemeinde eine neue Seniorenresidenz mit zusätzlich einigen weiteren

positiven Begleitumständen zum Wohle der Herschbacher Bürger zu errichten und damit ganz konkret den Wünschen der jetzigen und sicher auch späteren Interessenten zu entsprechen.

Diese Option wurde nach längerer Diskussion einstimmig ohne Gegenstimme beschlossen. Als Ortsbürgermeister wurde ich beauftragt, den Ankaufsvertrag des Anwesens mit den Dernbacher Schwestern endgültig auszuverhandeln. Da der Erhalt des eigentlichen Gebäudes nicht möglich war, wurden in einer weiteren und gemeinsamen Sitzung der maßgeblichen Gremien eine Woche später ganz konkrete Bedingungen aufgestellt, deren Erfüllung dann doch eine ziemliche Ähnlichkeit zum bisherigen Gebäudekomplex sicherstellen soll (Dachform, Sprossenfenster, farbliche Gestaltung, Gebäudeform usw...). All diese zusätzlichen Bedingungen wurden nach entsprechenden Verhandlungen von Römerhaus akzeptiert. Sogar die Feuerwehrzufahrt zum Kindergarten und der Zugang zum Ablassbecken des Waagweihers bleiben erhalten und zusätzlich entstehen sogar noch 10 neue Parkplätze entlang der Heinrich-te-Poel Straße. Am 20. April hat der Gemeinderat dem Ankauf des Klosters unter der aufschiebenden Bedingung "Durchführung eines Bodengutachtens" grundsätzlich zugestimmt. Das Gutachten lag Anfang Mai vor und ergab keinerlei Bedenken. Somit stimmte der Gemeinderat in seiner Sitzung am 14. Mai nach einer weiteren persönlichen Vorstellung von Römerhaus endgültig dem Abschluss der entsprechenden Verträge zu. Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass zwischendurch auch in etlichen Gesprächen auf Landesebene mit Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler sowie dem Landtagspräsidenten Hendrik Hering als auch auf Kreisebene mit Landrat Achim Schwickert und der Kreisverwaltung keine alternative Erhaltungslösung gefunden wurde. Sie sehen, wir haben es uns wirklich nicht leichtgemacht und uns letztlich folgerichtig für den Weg entschieden, der auch Herschbacher Bürgern im Alter einen Wohnsitz in

Herschbach ermöglicht. Voraussichtich in der zweiten Jahreshälfte 2019 wird Römerhaus mit den Bauarbeiten beginnen, die das jetzige Gebäude durch den Neubau einer modernen Seniorenresidenz mit 90 Plätzen ersetzen. Insgesamt entstehen nach der Errichtung 50-70 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in der Ortsgemeinde Herschbach. Diese Residenz wird neben einer Demenzabteilung unter anderem noch ein öffentlich zugängliches Café mit Großküche enthalten. Auch mehrere größere Räume zum Unterhalten der Bewohner sind

vorgesehen. Römergarten (als Betreiber der Residenz) möchte mitten im Ort und mit uns Herschbachern verbunden sein. Ein Ziel der Firmenphilosophie ist es, eine offene Begegnungsstätte für alle Herschbacher zu sein. Man freut sich auf einen regen Austausch mit dem Kindergarten und der Grundschule und allen Vereinen und Menschen. Man lädt schon jetzt Chöre und Musikvereine sehr gerne zum Proben in die Residenz ein, Sitzungen vom Gemeinderat oder den Vereinen können dort ebenfalls durchgeführt werden. Römergarten beschäftigt ca. 1000 Mitarbeiter und hat mit Römerhaus (dem Bauträger) eine über 20 Jahre lange Erfahrung auf dem Gebiet der Pflegeimmobilien. Übrigens, die Ausgabestelle der Tafel freut sich, dass sie mindestens bis zum 31. Dezember diesen Jahres auf jeden Fall ihren Betrieb im Kloster fortführen kann. Ich danke an dieser Stelle allen Beteiligten, die sich bei Terminen vor Ort oder in Montabaur, Koblenz und Mainz erst für den möglichen Erhalt und danach für die Realisierung dieses Projektes in der Ortsgemeinde Herschbach eingesetzt haben. Auch der VG – Verwaltung mit Bürgermeister Klaus Müller und Büroleiter Wolfgang Klaus sei an dieser Stelle gedankt. Sie haben mich tatkräftig in Gesprächen und Terminen unterstützt. Schließlich gilt mein Dank auch dem Geschäftsführer der Armen Dienstmägde Jesu Christi, Herrn Hery, für die vielen positiven Gespräche und fairen Verhandlungen.

 

Wir können uns nun über die Millioneninvestitionen des familiengeführten und mittelständischen Unternehmens Römerhaus und dem Betreiber Römergarten (www.roemergarten-residenzen.de) hier in Herschbach sehr freuen. Neben den genannten Arbeitsplätzen werden wir eine – auch nach Auskunft von mehreren Ortsbürgermeisterkollegen aus Orten, in denen Römerhaus bereits solche Einrichtungen geschaffen hat – tolle Seniorenresidenz im Herzen von Herschbach bekommen. So wird der Platz über die Jahrhunderte hinweg immer zum Wohle der Bevölkerung genutzt. Gerne stehe ich Ihnen für weiterführende Fragen in persönlichen Gesprächen und in den Sprechstunden zur Verfügung.

 

Axel Spiekermann

Ortsbürgermeister